Kalender 25 Jahre Schweizerisches Literaturarchiv

2016 feiert das Schweizerische Literaturarchiv der Nationalbibliothek ein Jubiläum. Vor 25 Jahren hat Friedrich Dürrenmatt nämlich seinen gesamten Nachlass der Eidgenossenschaft vermacht, geknüpft an die Auflage, ein Literaturarchiv zu gründen. In den 25 Jahren nach der Gründung kamen über 300 Archive und Nachlässe dazu. Für das Jubiläumsjahr haben wir einen schönen Kalender erstellt, der Ihnen Perlen aus dem Archiv zeigt. Feiern Sie Monat für Monat mit uns mit, und tauchen Sie in die Welt der Schweizer Literatinnen und Literaten ein: eine kleine feine Vorschau hier!

Kaufen können Sie den Kalender am Empfang der Nationalbibliothek oder im Buchhandel (ISBN 978-3-9523188-3-6).


SLA Kalender Beltrametti

Franco Beltrametti, Il libro che sto scrivendo, 1986

«Die Worte fliegen davon und ich mit ihnen. Ich wünschte, sie hätten die nichtlineare Geschwindigkeit der Gedanken mit ihren 7 oder 8 oder 10 000 Dimensionen.»

Mani Matter, Hemmige, vor 1969

«Es gibt viele Dinge, die man auf berndeutsch nicht sagen kann. Man kann zum Beispiel keine grossen Worte machen.»

SLA Kalender-Mani Matter
SLA Kalender Rivaz

Alice Rivaz, carnet, 1982

«Titel zu finden ist für mich eine Art Spiel, das entfernt demjenigen des Kreuzworträtsels verwandt ist – und ich hasse dieses Spiel […]. Mit den traurigen Titeln verhält es sich ganz anders. Sie beschwören, versprechen, machen neugierig… Mein letzter: La corbeille à ouvrages […]», «Titel meiner letzten Notizbücher. Ein Titel, der mir gut gefällt.»

Aglaja Veteranyi, Hochzeitskleid – mit eigenen Texten beschriftet, 2001

«Kind

Aus dem Auge

der Mutter

fällt

das Kind

zerspring

Jede Scherbe

heisst

Kind»

SLA Kalender Veteranyi
SLA Kalender Lansel

Peider Lansel, Il vegl chalamer, 1929/1966

«Das alte Tintenfass. Das alte Tintenfass, das du mir geschenkt hast, nahm ich sofort mit frischer Tinte in Betrieb. Jedes der praktischen Schublädchen erhielt seinen Kleinkram, das dafür vorgesehene Döschen füllte ich mit Sand (ich ging eigens bis zur Brücke von Suren hinunter, um ihn zu holen). […]»

Georges Borgeaud et sa mère, vers 1919

«Meine Mutter war wahrlich die Qual meines Lebens […].»

«Ich denke, sie liebte mich schon ein wenig – auf ihre Art eben, auf die Art einer gekränkten Mutter. Wenn sie mich umarmte, wich ich zurück. Mir graute vor ihren Küssen, die übrigens wenig insistierend waren […].»

SLA Kalender Borgeaud
SLA Kalender-Ceresa

Alice Ceresa, Piccolo dizionario dell’inuguaglianza femminile, 1970/2007

«Schriftsteller. Schriftstellerin: beschäftigt mit einem mehrdeutigen Wesen wie der Literatur arbeitet der Schriftsteller (die Schriftstellerin) sozusagen am Nichts. Er (sie) weiss sehr gut, dass Bemühungen um die Lieferung von Informationen in schriftlicher Form nicht ausreichen, welches auch immer die Gattung sei…»

Patricia Highsmith, Reisereportagen aus der Schweiz, ca. 1953

«Wann immer ich verzweifeltes Heimweh habe, aber nicht so verzweifelt bin, dass ich mehrere Hundert Dollar ausgeben würde, um zurück nach Amerika zu reisen, gehe ich in die Schweiz.»

SLA Kalender Highsmith_1
SLA Kalender_Oppenheim

Meret Oppenheim, Hafer-Blume, 1969

«Für die zweite Auflage machte ich ein Etikett. […] Auf der Vorderseite: ‹Meret Oppenheim› als Absender. Als Empfänger eine Phantasieanschrift, gebildet aus einem lexikalischen Wortspiel: Wörter aus dem Deutschen, dem Italienischen, dem Französischen und Englischen, die auf ‹Hafer› und ‹Blume› reimen oder sonstwie anklingen.»

Blaise Cendrars, Le Lotissement du ciel, 1949

Als 1939 der Krieg ausbrach, engagierte sich Cendrars als Kriegskorrespondent bei der britischen Armee: «Ich bin nicht Flieger, sondern Journalist. Ich werde nicht kämpfen, ich werde Bericht erstatten.»

SLA Kalender Cendrars